
In Deutschland ist durchschnittlich rund ein Drittel der Geflüchteten aus der Ukraine im dritten Jahr nach dem Zuzug in Beschäftigung – die Werte in den einzelnen Bundesländern liegen zum Teil deutlich darunter oder darüber.
Die Spitze bilden Bayern und Baden-Württemberg mit rund 39 bzw. 38 Prozent, gefolgt von Rheinland-Pfalz mit 37 sowie Sachsen mit 35 Prozent. Ebenfalls über dem bundesweiten Durchschnitt liegen Thüringen/Sachsen-Anhalt und Hamburg mit jeweils rund 33 Prozent. Im Mittelfeld bewegen sich Berlin/Brandenburg (31 %) sowie Niedersachsen/Bremen (29 %). Deutlich niedrigere Beschäftigungsquoten weisen Hessen (25 %), Nordrhein-Westfalen (23 %) sowie Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern (jeweils 22 %) auf. Das Saarland bildet mit rund 16 Prozent das Schlusslicht. Das zeigen Auswertungen der IAB-BAMF-SOEP-Befragung von Geflüchteten, die mit den Integrierten Erwerbsbiografien des IAB verknüpft wurden (siehe auch IAB-Kurzbericht 3/2026). Bei der Interpretation dieser Befunde ist zu berücksichtigen, dass die statistische Unsicherheit je nach Bundesland variiert. Vor allem in Ländern mit geringeren Fallzahlen sind die Unsicherheitsbereiche größer (siehe Konfidenzintervalle in der Abbildung).
Das regionale Muster deutet darauf hin, dass ukrainische Geflüchtete in Bundesländern mit günstiger Arbeitsmarktlage und hoher Wirtschaftskraft – insbesondere im Süden sowie in Teilen Ostdeutschlands – deutlich häufiger beschäftigt sind. Dagegen bleiben die Beschäftigungsquoten in Regionen mit schwächerer Konjunktur und angespannten Arbeitsmärkten wie Nordrhein-Westfalen, Teilen Norddeutschlands und dem Saarland klar unter dem Durchschnitt. Dieses Muster entspricht weitgehend den regionalen Unterschieden, die bereits für Geflüchtete beobachtet wurden, die 2015 zugezogen waren: Auch bei ihnen waren die Beschäftigungsquoten in wirtschaftsstarken Bundesländern deutlich höher, während Regionen mit ungünstiger Arbeitsmarktlage hinter dem Durchschnitt zurückblieben (Brücker et al. 2025).
Diese Befunde unterstreichen die zentrale Rolle regionaler Rahmenbedingungen für die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten. Frühere Studien zeigen, dass insbesondere die regionale Arbeitsmarktlage und Wirtschaftskraft hierfür entscheidend sind (Aksoy et al. 2023). Für die 2015 zugezogenen Geflüchteten gilt zudem, dass eine höhere regionale Arbeitslosenquote die Beschäftigungschancen in der jeweiligen Region deutlich verringert, während ein überdurchschnittliches regionales Lohnniveau sie erhöht (Brücker et al. 2025). Dabei spielen neben ökonomischen Faktoren auch institutionelle und gesellschaftliche Rahmenbedingungen eine Rolle. Dazu zählen etwa das Angebot an Sprachkursen (Kanas/Kosyakova 2023), die insbesondere für geflüchtete Frauen relevante lokale Kinderbetreuungsinfrastruktur (Gambaro et al. 2021), sowie die Verfügbarkeit geeigneter Netzwerke (Damm 2009, Gërxhani/Kosyakova 2022). Ebenso prägend ist das gesellschaftliche Klima gegenüber Geflüchteten: In Regionen mit stärkerer rechtsextremer Mobilisierung haben Geflüchtete deutlich schlechtere Integrationschancen (Brücker et al. 2025, Sardoschau/Jaschke, 2023).
Literatur
Brücker, Herbert; Jaschke, Philipp; Kosyakova, Yuliya (2025): 10 Jahre Fluchtmigration 2015: Haben wir es geschafft? Eine Analyse aus Sicht des Arbeitsmarktes. IAB-Kurzbericht Nr. 17.
Aksoy, Cevat Giray; Poutvaara, Panu; Schikora, Felicitas (2023): First time around: Local conditions and multi-dimensional integration of refugees. Journal of Urban Economics, 137 (February), 103588.
Kanas, Agnieszka ; Kosyakova, Yuliya (2023): Greater local supply of language courses improves refugees’ labor market integration. European Societies, 25 (1), 1–36.
Gërxhani, Klarita; Kosyakova, Yuliya (2022): The effect of co-ethnic social capital on immigrants’ labor market integration: A natural experiment. Comparative Migration Studies, 10 (15).
Gambaro, Ludovica; Neidhöfer, Guido; Spieß, C. Katharina (2021): The effect of early childhood education and care services on the integration of refugee families. Labour Economics, 72 (September 2020), 102053.
Damm, Anna Piil (2009): Ethnic Enclaves and Immigrant Labor Market Outcomes: Quasi‐Experimental Evidence. Journal of Labor Economics, 27 (2), 281–314.
Sardoschau, Sulin; Jaschke, Philipp (2023): Kosten der Xenophobie: Die Rolle der Aufnahmegesellschaft bei der Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten. Ifo Schnelldienst, 76 (10), 8–12.
Weiterführende Informationen
IAB-Kurzbericht 3/2026: IAB-BAMF-SOEP-Befragung verknüpft mit BA-Beschäftigungsstatistik: Deutliche Fortschritte bei der Arbeitsmarktintegration ukrainischer Geflüchteter
Autorenteam
DOI: 10.48720/IAB.FOO.GA.20260217.01
